Geometra und Architekt: ein praktischer Leitfaden für deutschsprachige Investoren

GEOMETRA ODER ARCHITEKT – WER MACHT WAS?

Wenn du in Italien eine Immobilie kaufst oder renovierst, wirst du auf Fachleute treffen, die es in Deutschland, Österreich oder der Schweiz so nicht gibt. Der Geometra ist dabei oft am schwierigsten zu verstehen. Hier erfährst du die Unterschiede – und wen du für dein Projekt brauchst.



Warum du die Unterschiede kennen solltest

Als Investor aus dem deutschsprachigen Raum triffst du in Italien auf ein völlig anderes Arbeitsumfeld.

In Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist klar: Für die Planung brauchst du einen Architekten oder Bauingenieur. In Italien kommt mit dem Geometra eine weitere planungsberechtigte Berufsfigur hinzu, die viele nicht kennen.

Das Problem ist, dass viele DACH-Investoren nicht wissen, wer für ihr Projekt zuständig sein soll.

Die Folgen können teuer werden:

  • Beauftragst du den falschen Fachmann, ist der Vertrag rechtlich nichtig (nach Art. 1418 Codice Civile ist ein Vertrag nichtig, wenn sein Gegenstand unmöglich oder rechtswidrig ist)
  • Der Fachmann hat keinen Anspruch auf Bezahlung – bereits gezahlte Honorare kannst du zurückfordern
  • Baustop: Das Projekt verzögert sich, Baugenehmigungen werden nicht erteilt

Wichtig: Der Geometra hat die deontologische Pflicht, dich zu informieren, wenn ein Projekt außerhalb seiner Kompetenzen liegt. Nimmt er dennoch den Auftrag an, obwohl er weiß, dass er nicht zuständig ist, begeht er Betrug und unbefugte Berufsausübung mit straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen.

Dieser Leitfaden klärt die Unterschiede – damit du von Anfang an die richtige Wahl triffst.

Was ist ein Geometra?

Der Geometra ist ein staatlich geprüfter Techniker mit eigenständiger Planungs- und Bauleitungsbefugnis – eingetragen im Berufsregister CNGeGL (Consiglio Nazionale Geometri e Geometri Laureati – Nationaler Rat der Geometri).

Ausbildung

Zwei Wege führen zum Geometra:

  • Technisches Diplom (5 Jahre) + Praktikum (18 Monate) + Staatsprüfung
  • Oder: Technische Laurea triennale (3 Jahre) + Praktikum + Staatsprüfung

Hauptkompetenzen

Zu den Hauptkompetenzen des Geometra gehören:

  • Architektonische Planung von „bescheidenen Wohngebäuden“ (z.B. Einfamilienhäuser, kleine Zweifamilienhäuser)
  • Bauleitung für Projekte in seinem Kompetenzbereich
  • Kataster und Vermessung: Katasterpraktiken, Grundstücksteilungen, Vermessungen
  • Energieausweise (APE) und Schätzungen
  • Kleine Strukturen in Stahlbeton: Nur für landwirtschaftliche Nebengebäude ohne komplexe Berechnungen

Wichtig: Der Geometra ist kein reiner Zeichner wie ein deutscher Bauzeichner. Er hat echte Planungsautonomie – aber mit klaren gesetzlichen Grenzen.

Was der Geometra NICHT darf

Gesetzliche Grenzen (R.D. 274/1929):

  • Komplexe Stahlbetonkonstruktionen für Wohngebäude (z.B. mehrgeschossige Gebäude mit Betontragwerk)
  • Große Mehrfamilienhäuser
  • Industriegebäude
  • Denkmalgeschützte Gebäude oder historische Zentren
  • Bauwerke mit künstlerischem Charakter

Die Lösung bei komplexeren Projekten:

  • Geometra: Architektonische Planung
  • Ingenieur/Architekt: Statik und Tragwerksplanung
  • Kooperation zwischen beiden Fachleuten

Was ist ein Architekt?

Der Architekt in Italien ist ein akademisch ausgebildeter Fachmann mit Laurea Magistrale (5 Jahre Studium) und Eintragung in der Architektenkammer.

Ausbildung

  • Laurea Magistrale in Architettura (5 Jahre)
  • Staatsexamen
  • Pflicht-Eintragung im Ordine degli Architetti (Architektenkammer)

Hauptkompetenzen

Zu den Hauptkompetenzen des Architekten gehören:

  • Alle Wohngebäude ohne Größen- oder Komplexitätsbeschränkung
  • Projekte mit künstlerischem Wert (ausschließliche Kompetenz)
  • Denkmalgeschützte Gebäude: Restaurierung, Sanierung (Architekt obligatorisch)
  • Stadtplanung und Landschaftsarchitektur
  • Innenarchitektur auf hohem Niveau

Keine Limits: Der Architekt hat keine vertikalen Beschränkungen – er darf jedes Gebäude in seinem Bereich planen, unabhängig von Größe oder Schwierigkeit.

Der Unterschied zum deutschsprachigen Raum

In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es keine direkte Entsprechung zum Geometra. Der italienische Geometra kombiniert Kompetenzen mehrerer Berufsgruppen:

DACH-Beruf Ähnlichkeiten Unterschiede
Bautechniker Bauleitung, Koordination Geometra hat Planungsautonomie
Bauzeichner Erstellt technische Zeichnungen Geometra plant eigenständig, zeichnet nicht nur nach Vorgaben
Bauleiter Baustellenkoordination Geometra kann auch eigenständig planen
Techniker HF (CH) Unterstützung Ingenieure Am ähnlichsten, aber weniger autonom

Der entscheidende Unterschied:

In DACH-Ländern:

  • Planung = Architekt oder Bauingenieur (Hochschulabschluss erforderlich)
  • Techniker = Unterstützung, keine eigenständige Planung

In Italien:

  • Geometra = eigenständige Planungsbefugnis innerhalb gesetzlicher Grenzen
  • Kann Projekte unterschreiben und einreichen

Wann brauchst du einen Geometra und wann einen Architekten?

Geometra ausreichend

Für diese Projekte:

  • Renovierung einer Wohnung oder eines Einfamilienhauses
  • Kleine Erweiterung eines bestehenden Hauses
  • Katasterpraktiken, Grundstücksteilungen
  • Energieausweis (APE)
  • Bauanträge für einfache Wohngebäude
  • Kleinere Umbaumaßnahmen

Vorteile:

  • Meist kostengünstiger als Architekt
  • Sehr praxisorientiert und baustellennah
  • Kennt sich mit Kataster und Verwaltung sehr gut aus

Architekt erforderlich oder empfohlen

Obligatorisch bei:

  • Denkmalgeschützten Gebäuden
  • Immobilien in historischen Zentren
  • Projekten mit künstlerischem Anspruch

Empfohlen bei:

  • Neubauten mit komplexen Strukturen
  • Mehrfamilienhäusern
  • Umfassenden Renovierungen mit strukturellen Änderungen
  • Luxus-Immobilien oder Design-Projekten
  • Wenn du unsicher bist, welcher Fachmann zuständig ist

So vermeidest du Fehler

Vor der Beauftragung:

  1. Frage den Geometra: „Liegt dieses Projekt in Ihrer Kompetenz?“
  2. Bei strukturellen Arbeiten: Frage, wer die statischen Berechnungen unterschreibt
  3. Im Zweifelsfall: Wähle den Architekten (rechtlich sicherer)

Wichtig: Auch wenn der Geometra die Pflicht hat, dich über seine Kompetenzgrenzen zu informieren, liegt es in deiner Verantwortung, dies zu überprüfen. Verlasse dich nicht blind auf die Aussagen des Fachmanns.

Zusammenfassung: Die richtige Wahl treffen

Der Geometra ist die richtige Wahl, wenn:

  • Du ein einfaches Wohngebäude renovierst oder baust
  • Keine komplexen Stahlbetonkonstruktionen nötig sind
  • Das Gebäude nicht denkmalgeschützt ist
  • Du Kosten sparen willst

Der Architekt ist die richtige Wahl, wenn:

  • Dein Projekt komplex ist oder strukturelle Änderungen erfordert
  • Das Gebäude denkmalgeschützt ist oder in einem historischen Zentrum liegt
  • Du ein Design-Projekt mit ästhetischem Anspruch hast
  • Du absolute rechtliche Sicherheit willst

Professionelle Unterstützung

Sich zwischen all diesen Figuren zu orientieren kann kompliziert sein – besonders wenn du aus dem deutschsprachigen Raum kommst und die Unterschiede nicht kennst.

Falls du mit dem Gedanken spielst, eine Immobilie in Italien zu kaufen, sie zu renovieren oder neu einzurichten, und Unterstützung bei der Auswahl der richtigen Fachleute brauchst, stehe ich dir gerne zur Verfügung.

Kontaktiere mich – ich helfe dir, die richtigen Profis für dein Projekt zu finden und sorge für reibungslose Kommunikation mit allen Beteiligten.

Und wenn dieser Artikel dir geholfen hat, teile ihn und sag mir, worüber ich im nächsten Artikel schreiben sollte!

Danke fürs Lesen. LG David


Quellen

Alle Informationen basieren auf offiziellen Quellen und aktueller Rechtsprechung:

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